Warum gibt es den Preis?

Tragische Katastrophen mit tausenden Toten und Verletzten wie die Fabrikbrände und Gebäudeeinstürze von Rana Plaza, Ali Enterprises und Tazreen haben in den vergangenen Jahren mehr als deutlich gemacht, dass es untragbar ist, zu wessen Lasten Bekleidung hergestellt wird. Miserable Arbeitsbedingungen, die Repression von aktiven Gewerkschaften und Löhne der Näherinnen und Näher, die nicht zum Leben reichen: In den Zulieferbetrieben der Modemarken und der Bekleidungsindustrie in Ländern wie Bangladesch und Pakistan, aber auch in Bulgarien oder der Türkei werden ökologische und soziale Standards noch immer vernachlässigt und Menschenrechte bei der Arbeit missachtet. Die Praxis der Fashionindustrie trägt zu diesen untragbaren Zuständen bei. Es ist höchste Zeit, daran etwas zu ändern! Die Themen Arbeitsbedingungen, Existenzlöhne sowie Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen in der Textil- und Bekleidungsindustrie müssen sowohl in den Ländern des globalen Südens als auch bei uns in Politik und Öffentlichkeit platziert und eine Verbesserung der Bedingungen eingefordert werden. Dazu soll auch dieser Preis dienen, den cum ratione -Gesellschaft für Aufklärung und Technik gemeinsam mit dem INKOTA-netzwerk im Jahr 2016 erstmals vergibt. In Deutschland führen zahlreiche unterschiedliche Gruppen in diesen Themenfeldern immer wieder Protestaktionen durch, um die Öffentlichkeit auf die Missstände vor allem bei Zulieferbetrieben in Asien aufmerksam zu machen. Solche Proteste haben dazu beigetragen, dass Opfer entschädigt worden oder zu ihrem Recht gekommen sind. Mit dem von cum ratione gGmbH und INKOTA-netzwerk ausgeschriebenen Preis soll solches Engagement in besonderer Weise gewürdigt und der inhaltliche Kern ein weiteres Mal lanciert werden: „Aktionspreis gegen die dunkle Seite der Modeindustrie“. Über einen Zeitraum von insgesamt sieben Monaten wird ein Wettbewerb ausgerichtet, bei dem Gruppen, die sich im Bereich der Textil- und Bekleidungsindustrie engagieren, teilnehmen können. Der Preis „Die spitze Nadel“ wird für Aktionen an Gruppen, Vereine oder Initiativen vergeben, deren Aktivitäten darauf abzielen, zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken oder öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen, wodurch die Menschenrechte bei der Arbeit in der globalen Lieferkette thematisiert werden. Der Preis wird für die erfolgreiche Durchführung der „Aktionsidee“ verliehen. “Die spitze Nadel“ soll dazu beitragen, dass sich Menschen im globalen Norden kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen im globalen Süden auseinandersetzen. Den Initiatorinnen und Initiatoren geht es um die Stärkung von sozialen Bewegungen bzw. der Zivilgesellschaft durch die Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen globaler Handelsbeziehungen. Thematische Grundlage der Zielformulierungen ist das Engagement für die Menschenrechte bei der Arbeit innerhalb der globalen Lieferkette der Bekleidungsindustrie und die Verpflichtung von Unternehmen. Folgende Ziele werden dabei verfolgt:

• Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit

• Förderung kritischen Bewusstseins und zivilgesellschaftlichen/entwicklungspolitischen Engagements

• Anerkennung und Förderung von nachhaltigen öffentlichen und politischen Aktionen

• Stärkung der Vernetzung von entwicklungspolitisch aktiven Gruppen

• Mobilisierung von Gruppen und Einzelpersonen

• Bildungs- und Bewusstseinsarbeit durch einen gemeinsamen Aktionsworkshop

• Stärkung von Expertise/Wissen zur Durchführung von Aktionen mittels Fortbildungsangebot, Aktionstraining und Workshop

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